Nachrichten zu unserer Arbeit - Unternehmensverantwortung

Mehrere Garnrollen stehen auf einer industriellen Strickmaschine in einer indonesischen Textilfabrik

© FEMNET

Zwischen Anspruch und Realität: Private Kontrollsysteme in Bangladeschs Textilindustrie

Welche Wirkung haben soziale und ökologische Zertifizierungen und Standards tatsächlich auf die Arbeits- und Lebensbedingungen von Textilarbeiter*innen? Dieser Frage geht eine neue Studie des Bangladesh Institute for Labour Studies (BILS) nach. FEMNET hat die Ergebnisse zusammen mit weiteren Erkenntnissen aus dem laufenden Projektvorhaben in einer ergänzenden Analyse eingeordnet.

Untersucht wurden die Zertifizierungen:

  • Global Organic Textile Standard (GOTS),
  • Global Recycled Standard (GRS) und
  • OEKO-TEX STeP-Standard,


sowie die Multi-Stakeholder-Initiativen:

  • amfori BSCI und
  • Fair Wear Foundation (FWF).

Die zentrale Erkenntnis: Selbst in großen, exportorientierten Fabriken werden Probleme wie unbehandelte Abwässer, mangelhafter Umgang mit Chemikalien, unbezahlte Überstunden, geschlechtspezifische Gewalt oder eingeschränkte Vereinigungsfreiheit oft nicht wirksam erfasst oder behoben. Im Mittelpunkt der Studie stand dabei bewusst nicht die isolierte Bewertung eines einzelnen Standards, sondern vielmehr die Frage, ob Arbeiter*innen de facto von privaten Governance-Systemen wie Audits insgesamt profitieren.

Müllverschmutzter Kanal in Ghosbag Nov 2024 (c) FEMNET© FEMNETBesonders alarmierend sind die Befunde im Umweltbereich. Während Defizite bei Arbeitsbedingungen leider nicht überraschend sind, ist vor allem das Ausmaß der Probleme beim Abwasser- und Chemikalienmanagement erschreckend. Gerade hier zeigt sich besonders deutlich, wie groß die Lücke zwischen formalen Anforderungen, Auditpraxis und der Realität in den Produktionsregionen ist.

Studie und Analyse machen damit zweierlei deutlich: Zum einen muss an den strukturellen Stellschrauben angesetzt werden — etwa bei der Frage, welche Versprechen Zertifizierungen und Multi-Stakeholder-Initiativen tatsächlich einlösen, wo Kontrollsysteme nachgebessert werden müssen und wie Marken ihre Sorgfaltspflichten wirksam umsetzen. Zum anderen braucht es angesichts des Ausmaßes der Schäden auch ergänzende und kurzfristig wirksame Maßnahmen, etwa konkrete Lösungen zum Schutz von Wasser und Gesundheit.

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